Das Werk produzierte neben herkömmlichen Mauerziegeln im Normal- und Klosterformat auch diverse Formsteine, Terrakotten, glasierte Ziegel sowie Dachziegel wie Mönch und Nonne und Biberschwanzziegel. Diese hochwertigen Produkte fanden Verwendung in zahlreichen bedeutenden Bauwerken, darunter die Oberbaumbrücke in Berlin, das Pestalozzi-Fröbel-Haus in Berlin-Schöneberg und die Markuskirche in Hamburg.
Die Qualität der produzierten Steine war durch den eisenhaltigen und fast kalkfreien Elbschlick als Rohstoff so hoch, dass sie einen legendären Ruf als „Rote Rathenower“ erwarben. Diese Ziegel waren besonders für Sichtmauerwerk bzw. als Verblender geeignet und prägten die typische Ansicht von Backsteingebäuden. Um ihre Herkunft zu kennzeichnen, wurden die Ziegel-Rohlinge vor dem Brand mit Orts- oder Herstellernamen oder deren Abkürzungen gestempelt.
Nach dem Tod von Carl Gustav Matthes im Jahr 1914 übernahm sein Sohn Karl Gustav Hermann Matthes die Leitung des Unternehmens. Mit dem Beginn des Ersten Weltkrieges und dem schwindenden Bedarf an Ziegeln begann jedoch der Niedergang der Rathenower Ziegelindustrie. Die nutzbaren Tonvorkommen in der näheren Umgebung waren erschöpft, und der Betrieb wurde schließlich eingestellt.
Heute stehen das Verwaltungsgebäude, ein Wohnhaus, ein Sozialgebäude sowie das Pförtnerhaus der ehemaligen Ziegelei in der Gustav-Freytag-Straße unter Denkmalschutz. Diese Gebäudegruppe gilt als eine der wenigen erhaltenen Anlagen der einst florierenden Ziegelindustrie im Westhavelland und zeugt von der industriellen Vergangenheit Rathenows.
Carl Matthes war neben seiner Tätigkeit als Ziegeleibesitzer zugleich 1880 Mitbegründer der Rathenower Feuerwehr und bis 1914 deren erster Wehrführer.
Dank einer großzügigen Spende eines Nachfahren konnte jetzt mit der Sanierung der Grabstätte begonnen werden. Die Standsicherheit ist wichtig. Ziegel- und Schmuckelemente und die Inschrift sollen wieder hergestellt werden.