Grabmal der Familie Matthes

In der Abteilung 1 befindet sich am ersten rechten Parallelweg zum Hauptweg, der vom Haupteingang zur Auferstehungskirche führt, das Grabmal der Familie Matthes. Dieses ist aus verblendeten Ziegeln der eigenen Firma in Rathenow hergestellt und ist eines der bedeutendsten Grabmäler auf dem Friedhof. Viele Elemente aus der gleichen Produktion wurden auch im Rathenower Kreishaus verbaut.  Die Grabstätte wurde vermutlich im Jahr 1909 angelegt, nachdem in diesem Jahr sowohl die zweite Ehefrau von Carl Gustav Matthes (1830 - 1914) als auch sein erst neun Jahre alter Enkel verstarben. Es sind dort auch Mitglieder der angeheirateten Kaufmannsfamilie Geue bestattet worden


Das Verblendsteinwerk C. G. Matthes & Sohn war ein bedeutender Hersteller von Verblendziegeln mit Sitz an der Herrenlanke im Süden der Stadt – später Carlsheim - genannt. Gegründet 1865 von Carl Gustav Matthes, entwickelte sich das Unternehmen zu einem der führenden Ziegeleibetriebe der Region.


 

Matthes Grabmal

Das Werk produzierte neben herkömmlichen Mauerziegeln im Normal- und Klosterformat auch diverse Formsteine, Terrakotten, glasierte Ziegel sowie Dachziegel wie Mönch und Nonne und Biberschwanzziegel. Diese hochwertigen Produkte fanden Verwendung in zahlreichen bedeutenden Bauwerken, darunter die Oberbaumbrücke in Berlin, das Pestalozzi-Fröbel-Haus in Berlin-Schöneberg und die Markuskirche in Hamburg.


Die Qualität der produzierten Steine war durch den eisenhaltigen und fast kalkfreien Elbschlick als Rohstoff so hoch, dass sie einen legendären Ruf als „Rote Rathenower“ erwarben. Diese Ziegel waren besonders für Sichtmauerwerk bzw. als Verblender geeignet und prägten die typische Ansicht von Backsteingebäuden. Um ihre Herkunft zu kennzeichnen, wurden die Ziegel-Rohlinge vor dem Brand mit Orts- oder Herstellernamen oder deren Abkürzungen gestempelt.

 

Nach dem Tod von Carl Gustav Matthes im Jahr 1914 übernahm sein Sohn Karl Gustav Hermann Matthes die Leitung des Unternehmens. Mit dem Beginn des Ersten Weltkrieges und dem schwindenden Bedarf an Ziegeln begann jedoch der Niedergang der Rathenower Ziegelindustrie. Die nutzbaren Tonvorkommen in der näheren Umgebung waren erschöpft, und der Betrieb wurde schließlich eingestellt.
 


 

Heute stehen das Verwaltungsgebäude, ein Wohnhaus, ein Sozialgebäude sowie das Pförtnerhaus der ehemaligen Ziegelei in der Gustav-Freytag-Straße unter Denkmalschutz. Diese Gebäudegruppe gilt als eine der wenigen erhaltenen Anlagen der einst florierenden Ziegelindustrie im Westhavelland und zeugt von der industriellen Vergangenheit Rathenows.


Carl Matthes war neben seiner Tätigkeit als Ziegeleibesitzer zugleich 1880 Mitbegründer der Rathenower Feuerwehr und bis 1914 deren erster Wehrführer.

 

Dank einer großzügigen Spende eines Nachfahren konnte jetzt mit der Sanierung der Grabstätte begonnen werden. Die Standsicherheit ist wichtig. Ziegel- und Schmuckelemente und die Inschrift sollen wieder hergestellt werden.