Grabinschriften aus der Sammlung der Familie Guthjahr
Quelle: Signatur D 2494 im Findbuch Guthjahr im Domstiftsarchiv Brandenburg
Wir geben nun eine bunte Auswahl von Grabinschriften, die auf unseren Friedhöfen zu sehen waren. Viele sind bereits der Zeit zum Opfer gefallen. Ohne jede überflüssige Anmerkung sollen diese Worte mit ihren bald zu Herzen gehenden, bald unfreiwillig humorvollen Inhalt als kleiner Beitrag zur Volkskunde aufgezeichnet und dadurch erhalten werden.
1) Ich weiß, es wird mein Ende kommen, doch weiß ich nicht, wann, wo und wie.
Vielleicht werd ich der Welt entnommen
heut Abend oder morgen früh.
Vielleicht ist auch mein Ziel bestimmt, eh diese Stund ein Ende nimmt. (1898)
2) Ich liege hier im stillen Garten
und muß auf meine Eltern warten.
Das Leben war ein Traum,
zwanzig Jahre zählt ich kaum,
da kam auch schon der Tod herab
und nahm mich mit ins kühle Grab. (1925)
16) In der Blute ihres Lebens
sank die Gattin in das Grab.
Menschenhülfe war vergebens
und der Schöpfer rief sie ab.(1911)
17) Lebensfroh, gesund und heiter
zogst du früh zur Arbeit aus
und ach, nach nur wenig Stunden
kamst als Leiche du ins Haus.
Doch wenn wir vor Schmerz vergehn,
tröstet uns ein Wiedersehn. (1905)
18) Ich will schweigen und meinen Mund nicht auftun,
denn der Herr hat es gewollt. (einer Frau)
19) Wir hatten uns alles so schön ausgedacht
der Krieg hat alles zu nichts gemacht. (1919)
25) Gesund und froh zogst du hinaus,
zu kämpfen für des Vaterlandes Ehre.
Verwundet und krank kehrtest du nach Haus.
Nun ruhe sanft in heimatlicher Erde. (1919)
28) Durch einen herben Unglücksfall
bist du, Teure, uns entrissen.
Wir werden dich so manches mal
sehr unter uns vermissen. (1919)
35) Zu eigen wollte ich fürs Leben
Mich dir, du heißgeliebter geben.
Wie ich dein Ringelein schon trug
da kam der Todesruf: "Genug.“
Und in den engen, dunkeln Schrein
sank alle Hoffnung mit hinein. (1911)
36) Dem Vater und der Mutter mein
war ich ein liebes Töchterlein.
Gott aber, dem ich lieber war,
der nahm mich auf zur Engelschar. (1900)
38) Tlefbetrübt steht hier der Gatte
an der Gattin Grabesrand.
Und das Kind, das lieb sie hatte,
weinet nach der Mutterhand. (1921)
41) Ich ging im Kindesalter
schon in das stille Grab.
Als Rose wollt ich blühen
als Knospe brach ich ab. (einen Knaben 1922)
42) Nach einen Leben in christlicher Tugendübung voll Gott-
vertrauen, Nächstenliebe und langen schweren Leiden, deren
oft heftige Schmerzen er still und geduldig ertrug, starb
er durch die heiligen Sterbesakramente gottergeben eines
seligen Todes.(1920)
43) Geliebter Gatte, du hast dein Leiden überwunden
das uns so manche trübe Stunde gab.
Du fühlst nicht mehr der Gattin tiefe Wunden,
die tränenschwer steht an deinem lieben Grab.
Du siehst der Mutter, Schwestern, Tränen nicht,
die dein gedenken ewiglich. (1916)
71) Weinet nicht an meinem Grabe,
stört mich nicht in meiner Ruh.
Denkt, was ich gelitten habe
Gönnet mir die ewge Ruh (1932)
72) Dein Beruf, gefahrvoll, voller Leiden,
brachte dir den Tod, ein frühes Scheiden (1917) einer Frau
99) Kurz und knapp lautet eine Frage "Warum ?"